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Von Barlöffel bis Shaker, von Ananassaft bis Wodka: Einen Cocktail richtig zu mixen, will gelernt sein. Am besten von den Meistern. Vier Auszubildende bekamen eine Einweisung. Vorsichtig schneidet Sarah die Banane mit einem Messer ein. Ihre Hände zittern. Eine Cocktailkirsche klemmt sie in den Spalt. Zwei Gewürznelken und die spitzen Enden der Ananasblätter steckt sie dazu. Die Banane sieht aus wie ein Frucht-Delphin. Die Dekoration für den Cocktail ist fertig. Jetzt kommt der schwierige Teil. Sarah muss den Drink zubereiten. Unter den Augen der Prüfer, die deutsche Meistertitel im Cocktailmixen gewonnen haben.
Sarah Hofmann aus Bieberschlag ist eine von vier Auszubildenden im dritten Lehrjahr des Avesto-Ausbildungsverbundes, die gestern in der Suhler Kino Bar "Rick's" ihre Prüfung für die Zusatzqualifikation Barkeeping ablegten. In einem zehntägigen Kurs lernten sie alles rund um Mixgetränke. Insgesamt 40 Rezepturen mussten sie für die Prüfung auswendig lernen. "Wir wollen unseren Auszubildenden so viel wie möglich mit auf den Weg geben", sagt Sibylle Merkel von Avesto. Die Lehrlinge sind für die Schulblöcke in Suhl, zum Arbeiten in Hotels im Ausland. Der Barkeeperlehrgang ist freiwillig. Unterrichtet werden die angehenden Restaurantfachleute von Frank Mehnert, dem Vorsitzenden der Deutschen Barkeeper Union e.V. Sektion Thüringen, und Ulrike Polasky, zweimalige Siegerin der Thüringen-Meisterschaft und Deutsche Meisterin. Zutaten, Equipment, Barsysteme und Getränkelehre standen auf dem Stundenplan. In der praktischen Prüfung müssen zwei klassische Cocktails wie beispielsweise Martini gemixt werden. Das Rezept von James Bond - geschüttelt, nicht gerührt - ist übrigens falsch. Außerdem steht ein Fancy Drink, also ein Cocktail wie Swimming Pool, auf dem Plan. Noch einen, bitte! Sarah schüttet die Säfte zusammen. Plötzlich stockt sie. Etwas ist schief gelaufen. Sie hat die Zutaten im Shaker zusammengegossen, nicht im Glas. Als sie nun Glas und Shaker zusammmenstülpt, verschüttet sie deshalb etwas. Das gibt Punktabzug. Zum Schluss zählt der Blick auf die Uhr: "Zwei Minuten 20", sagt Frank Mehnert. Drei Minuten ist das Maximum. Vorbereitungszeit und Aufräumen nicht mitgerechnet. "Bei Meisterschaften müssen fünf Cocktails in sechs Minuten zubereitet werden, inklusive aufräumen", erklärt Ulrike Polasky. Wichtig sei, dass ein harmonischer Drink entstehe. Bei Meisterschaften muss der zudem selbstkreiert sein. "Ziel ist es immer, dass der Gast sagt: Ich will noch einen", erklärt sie.
"Ich war total nervös", sagt Sarah hinterher. Dabei hatten sie die Cocktails geübt. Als sie im Hotel arbeitete, musste sie nur fünf oder sechs Cocktails mixen können. "Jetzt habe ich auch gesehen, was ich alles falsch gemacht habe", sagt sie nach dem Kurs über frühere Cocktails. Martin König aus Schleusingerneundorf ist der nächste. Schon bei der Vorbereitung kommt er nicht weiter. Was kam da jetzt rein - Wodka oder Triple Sec? Die Prüfer helfen, doch auch dafür werden Punkte abgezogen. "Ich hab das vor Aufregung leicht durcheinander gebracht", meint Martin. Beim Lernen der Rezepte hatten alle vier ihre Tricks. Einer klebte sich Merkzettel überall in die Wohnung. Für Martin ist die Hauptsache, dass es Spaß gemacht hat. "Ich kann mir auch vorstellen, dass ich mich weiter damit beschäftige", sagt er. Gefragte Barkeeper Frank Mehnert weiß, dass sich der Weg lohnen kann. 1996 startete der freie Dozent ein Pilotprojekt, weist junge Lehrlinge, Quereinsteiger, Berufstätige der Gastronomie ins Barkeeping ein. Seit zwei Jahren arbeitet er mit Avesto zusammen. Nicht in allen Landkreisen und bei allen Ausbildungsbetrieben sei die Zusammenarbeit so einfach. Dabei: "Die deutschen Barkeeper sind gefragt", sagt er. 2006 habe eine junge Dame bei der Weltmeisterschaft den fünften Platz belegt, er selbst sei erst vor ein paar Wochen in China gewesen, um junge Menschen auszubilden. Vielleicht kommt wieder mal ein Barkeeper-Meister aus Thüringen. Quelle: Freies Wort vom 18.08.2010 | Resort Suhl | Von Linda Hellmann Fotos: frankphoto.de |